"Was tun gegen Wettkampfangst?!"


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Die DKV Fachzeitschrift Jan/2010
berichtete:


Das unangenehme Kribbeln im Bauch, der ständige Drang, noch mal aufs Klo rennen zu müssen, das plötzlich alles vergessen, was man jahrelang trainiert hat, kennt sicherlich jeder, der sich schon einmal getraut hat, seine Fähigkeiten im Wettkampf auszutesten. Kaum tatsächlich auf der Matte, ist man plötzlich so nervös, dass man verliert, obwohl es wirklich nicht sein musste.

Viele erfahrene Wettkämpfer haben inzwischen ihre eigenen Strategien, um mit der Nervosität fertig zu werden, doch was ist mit allen anderen? Der ehemalige britische Nationaltrainer Ticky Donovan brachte es mit dem Satz auf den Punkt: "95 percent of your fitness is between your ears!" Wenn also der allergrößte Teil der Leistungsfähigkeit eines Athleten zwischen seinen Ohren sitzt, muss es dann nicht auch Möglichkeiten geben, gezielt etwas daran zu tun? Also nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf zu trainieren - und zwar ganz speziell an Wettkampfsituationen angepasst?!

Der Landeskader Sachsen-Anhalt hat sich, in Absprache mit Athleten und Trainern, dazu entschlossen, eine Spezialistin auf dem Gebiet ins Boot zu holen. Anke Pfannkuchen, Sportpsychologin und selbst ehemalige Wettkämpferin im Kumite, begleitete das Kadertraining im November und nutzte die Trainingspausen, um sowohl Sportlern als auch den Trainern in Form eines Workshops Tipps, Kniffe und Fähigkeiten für die nächste Saison an die Hand zu geben.

"Stellt euch einen Werkzeugkasten vor", sagte Anke immer wieder "in dem alle eure Fertigkeiten sind und die ihr je nach Situation herausnehmen und nutzen könnt. So wie jeder für sich seinen eigenen Werkzeugkasten mit verschiedenen Karatetechniken hat, die für ihn funktionieren und die er entsprechend benutzt, braucht ihr auch einen für euren Kopf! Ich kann euch nur helfen, den Kasten zu füllen - so wie euch die Trainer die Karatetechniken beigebracht haben. Ausprobieren was für euch funktioniert und ständig daran üben müsst ihr selber."

So begann ein straffes Programm, in dem es um konkrete Zielsetzungen und um Entspannung ging, um Teamgeist und die Mechanismen von Wettkampfangst, um Visualisierung und immer wieder Tipps und Tricks für individuelle Situationen. Doch der erste und wichtigste Schritt ist es, auch das wurde Anke nicht müde zu betonen, auf das Bauchgefühl zu hören, statt es zu verdrängen. "Gefühle sind die Wachhunde des Körpers, die Alarm schlagen, bevor das Denken einsetzt. Das merkt man jedes Mal wenn man sich erschreckt. Diese superschnellen Reaktionen müsst ihr kennen und für euch nutzen, wenn ihr erfolgreiche Wettkämpfer sein wollt!"

Heute spielt die Sportpsychologie eine immer wichtigere Rolle im Profisport, wie Deutschlands erfolgreichste Schwimmerin Britta Steffens beweist. Aber der Fall Robert Enke zeigt auch, dass der ganze Bereich der psychologischen Betreuung häufig zu schwer auf den Schultern der Trainer und Betreuer lastet und sie dafür auch oft nicht die Ausbildung haben. Es ist also an der Zeit, dass im Karate nicht die Fehler der "Profis" wiederholt werden, sondern von Anfang an auf eine qualifizierte Betreuung sowohl der Wettkämpfer als auch der Jugend in den Vereinen und vor allem auf eine Erweiterung der Trainerausbildung um den sportpsychologischen Faktor gesetzt wird.

Zu Informationen und Fragen zum Thema Sportpsychologie im Karate kontaktieren Sie mich einfach, ich freue mich darauf, mit meiner Arbeit unseren Sport weiter zu professionalisieren und etwas zur mentalen Stärke der Athleten beizutragen.